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Der Arbeitsplatz der Zukunft

Krisen und Wandel gehen immer Hand in Hand. Ungewollt wurden wir alle seit Ende Februar zum Teil eines gigantischen Feldversuchs für die Zukunft des flexiblen Arbeitens. Wer konnte, arbeitete von Zuhause und bewies damit, dass Homeoffice möglich war. Gleichzeitig traten dadurch auch die Nachteile des Büroverlusts zutage.

Denn im Homeoffice verschwimmen die Grenzen zwischen Berufsleben und Privatsphäre zusehends. Durch Mobile Devices sind wir ständig erreichbar, selbst wenn der Firmenlaptop aus ist, meldet sich der Chef über WhatsApp und Co. „Außerhalb der Arbeitszeit“ spielt keine Rolle mehr, antworten soll man jederzeit, wenn man als engagiert gelten will. Der Rückzugsort Zuhause, an dem die Gedanken frei sein sollten von Arbeitsthemen, existiert nicht mehr. Was der Zwang, überall und immer erreichbar sein zu müssen, mit unserer Psyche macht, werden wir wohl erst in ein paar Jahren wirklich erkennen. Vermessen prognostizieren wir eine stark ansteigende Menge stressbedingter Symptome.

Lessons Learned

Auch aus diesem Grund werden wir auch zukünftig nicht gänzlich auf Büros verzichten können. Eine Umfrage der Drees & Sommer-Gruppe hat jetzt aber ergeben, dass sich die Büroflächen der Zukunft verändern müssen. Die Qualität des Arbeitsplatzes wird entscheiden. Die Studie zeigt ganz klar auf, dass die Erfahrung „Homeoffice“ prägend war. Vor Corona hatte nicht einmal die Hälfte der Teilnehmer/innen mobil gearbeitet. Mit der Erfahrung im Rücken können sich aber mittlerweile ganze 83 Prozent von ihnen vorstellen, auf Dauer einen bis drei Tage pro Woche mobil oder im Homeoffice zu arbeiten. Denn die großen Vorteile der Telearbeit will die Mehrheit so schnell nicht mehr missen.

Future Office

Denkt man hier weiter, zeigt sich für die nächsten Jahre eine deutliche Veränderung des klassischen, ortsgebundenen Arbeitsplatzes. Immer komplexere Arbeitsstrukturen erfordern auch eine passgenaue Gestaltung des Berufsortes. Eine Mischung aus kommunikativem Austausch und konzentrierter Distanz muss her, das Verhältnis sollte sich nach der Tätigkeit und den individuellen Bedürfnissen richten. Homeoffice allein kann das nicht leisten, aber das klassische Büro ist eben auch nicht mehr flexibel genug. Alternativ rücken immer mehr auch Coworking-Spaces in den Vordergrund, die dem Bedürfnis nach Kommunikation, Inspiration und Austausch entgegenkommen, aber gleichzeitig konzentriertes Arbeiten ermöglichen. Zufällige Begegnungen fördern hier das im Homeoffice fehlende Gemeinschaftsgefühl und regen kreative Lösungen an.

Quality Time

Der „Ort“ Arbeitsplatz muss also neu gedacht werden. Was in Zukunft zählt, ist die Aufenthalts- und Erlebnisqualität. Das Büro muss zum Ort werden, an dem wir uns gerne aufhalten, als Abwechslung zum Homeoffice und vielleicht in Kombination mit dem Coworking-Space. „Pflichtaufenthalt“ im Office sollte genauso abgeschafft werden wie einsame Telearbeitsplätze ohne persönlichen Kontakt. Wenn die Mischung stimmt und die Flexibilität gegeben ist, kommt das auch berufstätigen Eltern entgegen. Durch kürzere Fahrtwege schonen Homeoffice und Coworking zudem die Umwelt. Wird der Arbeitsplatz den Bedürfnissen der Arbeitnehmer angepasst, fördert dies Zufriedenheit und Commitment, mindert Stress und damit krankheitsbedingte Ausfälle. So haben beide Seiten viel davon. Auf einem hart umkämpften Arbeitsmarkt kann hohe Arbeitsplatz-Qualität zukünftig den entscheidenden Vorteil für suchende Arbeitgeber bedeuten. Den 0815-Arbeitsplatz gibt es damit bald nicht mehr, aber dafür den passenden.

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